bei Christoph Hiller, Gemeindepräsident Meilen
Christoph Hiller ist seit 2002 Mitglied des Gemeinderats Meilen und steht der Zürichsee-Gemeinde seit 2010 als Gemeindepräsident vor. Nach den Gesamterneuerungswahlen vom 8. März 2026 werden per Anfang Juli drei neue Mitglieder in den Gemeinderat eintreten. Wir haben bei Christoph Hiller nachgefragt, wie sie auf ihre anspruchsvolle Aufgabe vorbereitet und in die Exekutive eingeführt werden.
Herr Hiller, wir gratulieren Ihnen nachträglich zur glanzvollen Wiederwahl als Meilemer Gemeindepräsident! Am Wahlsonntag von Anfang März wurden auch drei neue Mitglieder in den Gemeinderat gewählt. Welche Bedeutung hat eine sorgfältige Einführung neuer Behördenmitglieder für die Funktionsfähigkeit einer Exekutive?
Christoph Hiller: Vielen Dank für Ihre Glückwünsche! Ich mag mich noch gut daran erinnern, als ich frisch in den Gemeinderat gewählt wurde. Die Mitglieder der Exekutive werden vom Souverän bestimmt; die Zusammensetzung hat deshalb auch etwas Zufälliges. Anders als in anderen Gremien mit ähnlichen Verantwortungen gibt es keine Anforderungsprofile, die zu erfüllen sind; es gibt auch keine Selektionsgespräche oder Assessments. Das Milizprinzip bringt zudem mit sich, dass die Mitglieder ihr Amt in ihrer Freizeit ausüben. Das alles ist eine gewisse Herausforderung. Und doch – oder erst recht – funktionieren Gemeinderäte in meiner Erfahrung sehr gut. Das basiert nicht zuletzt auf einer sorgfältigen Einführung. Dabei geht es nicht nur ums Fachwissen, welches das zu leitende Ressort verlangt. Es geht – nicht minder wichtig – auch darum, die Abläufe im politischen Prozess zu verstehen sowie Strategisches und Operatives unterscheiden zu können. Und schliesslich ist für den Erfolg entscheidend, dass sich rasch alle Mitglieder im Gemeinderat als Team verstehen und die Zusammenarbeit mit der Verwaltung gut aufgegleist wird.
Wie läuft die Einführung neuer Gemeinderätinnen und Gemeinderäte in Meilen konkret ab?
Kurz nach der Wahl habe ich mit allen bisherigen und allen neuen Gemeinderätinnen und -räten je einzeln ein Gespräch geführt, um die Wünsche in Sachen Zuteilung der Ressorts zu eruieren. In der Folge habe ich die Konstituierung skizziert. Diese wird dann allerdings erst an der Sitzung vom 3. Juli 2026, wenn auch die neuen Mitglieder stimmberechtigt sind, beschlossen. Ressortspezifische Einführungen stehen vorher nicht auf dem Plan, allgemeine Informationen aber schon. Die neuen Kolleginnen und Kollegen erhalten vor ihrem Amtsantritt die Liste mit den bereits bekannten Sitzungsterminen und weiteren Verpflichtungen bis Ende des nächsten Jahres – zudem auch die notwendigen normativen Unterlagen. In einer halbtägigen Klausur erfolgt eine Einführung in Themen wie Sitzungsvorbereitung und Sitzungsablauf, Kollegialitätsprinzip, Amtsgeheimnis, Kommunikationskonzept und so weiter.
Welche Rolle spielen die bisherigen Amtsinhaberinnen und Amtsinhaber bei der Übergabe ihrer Ressorts? Gibt es strukturierte Übergabegespräche oder gemeinsame Dossiersitzungen?
Die Übergabe beim Ressortwechsel erfolgt bilateral während den Sommerferien, nach der Konstituierung. Dabei stehen die nicht mehr angetretenen Mitglieder des Gemeinderats ihren Nachfolgerinnen und Nachfolgern zur Verfügung. Sie stellen die neue Ressortvorsteherin bzw. den neuen Ressortvorsteher in der entsprechenden Verwaltungsabteilung vor, sie weisen auf alle Pendenzen hin und sie stehen für Fragen jederzeit zur Verfügung – über ihre Amtszeit hinaus. Eine in Stein gemeisselte Struktur dieser Übergaben gibt es nicht; je nach Vorwissen sind die Bedürfnisse sehr individuell. Selbstverständlich tragen die Abteilungsleiterinnen und -leiter in der Verwaltung eine grosse Verantwortung für die Gewährleistung der Konstanz.
Welche Themen oder Herausforderungen beschäftigen aus Ihrer Erfahrung neu gewählte Exekutivmitglieder beim Einstieg in ein Gemeindeamt besonders – und wo zeigt sich in der Anfangszeit oft der grösste Unterstützungsbedarf?
Eine generelle Antwort auf diese Frage gibt es nicht. Die einen können schon auf eine grosse Erfahrung in einer anderen Behörde zurückblicken, andere nicht. Eine gewisse Gratwanderung ist üblicherweise, das Schwergewicht des politischen Agierens auf die strategische Ebene zu legen. Das ist gerade in der Kommunalpolitik nicht immer einfach – und auch nicht immer zwingend. Manchmal machen ja auch operative Fragestellungen durchaus Freude, und dies darf man auch zulassen. Bestimmt ist es für neue Amtsträgerinnen und -träger manchmal schwierig, sich eine dicke Haut anzueignen. Das bürgernahe Wirken ist zwar gewollt, doch ist es nicht möglich, auf sämtliche Wünsche und Anliegen einzugehen. Da hilft oft der Erfahrungsaustausch im Gremium. Je nachdem kann auch der Auftritt vor Publikum, zum Beispiel das Vorstellen eines Geschäfts an der Gemeindeversammlung, eine Herausforderung sein.
Sie selbst sind seit über zwanzig Jahren Mitglied des Gemeinderats und seit 2010 Gemeindepräsident. Was hat sich aus Ihrer Sicht bei der Einführung und Begleitung neuer Behördenmitglieder in dieser Zeit verändert?
Mich dünkt, dass in dieser Zeit die Bedürfnisse neuer Behördenmitglieder im Kern die gleichen geblieben sind: nämlich möglichst rasch Teil des Gremiums zu sein, möglichst rasch im eigenen Ressort gewisse Schwerpunkte setzen zu können und möglichst rasch den Überblick über sämtliche im Rat zu entscheidenden Sachgeschäfte zu gewinnen. Geändert hat vielleicht das handwerkliche Rüstzeug: Zu Beginn meiner Tätigkeit im Gemeinderat wurden alle Sitzungsakten vom Weibel nach Hause gebracht – heute sind sämtliche Unterlagen elektronisch im für alle zugänglichen System abgelegt. Auch in der heutigen, digitalisierten Welt gilt bei der Einführung von neuen Behördenmitgliedern aber weiterhin: Mit gutem Willen von allen Beteiligten fühlen sich alle sehr rasch mit den Aufgaben einer Exekutive vertraut und wirken mit Freude gemeinsam im Team.